Nachschau vom 7. Niederrhein Renntag

Bedburg 2012: Sechseinhalb-Stunden-Marathon

Montag, 10.09.2012

Das großartige Sportprogramm anlässlich des 7. Niederrhein-Renntages am Samstag auf dem Heisterfeldshof in Bedburg-Hau hätte zum Ende hin noch einige Zuschauer mehr verdient gehabt, doch kann man natürlich auch diejenigen verstehen, die bei hochsommerlichen Temperaturen nicht bis zum Schluss durchstanden.

Insgesamt sieben Fehlstarts in den Bänderstart-Rennen, dazu noch die eine oder andere Kleinigkeit, die nicht hundertprozentig funktionierte – am Ende hatte sich die Verspätung auf eine Stunde und fünf Minuten summiert, die Gesamtveranstaltung also sechseinhalb Stunden gedauert. Trotzdem gab es nur wenige Nörgler, der ganz überwiegende Teil der Organisatoren, Aktiven und Zuschauer fühlte sich über den ganzen Nachmittag hinweg wohl und gut unterhalten.

Etwas überraschend gewinnt Zizou (Michael Nimczyk) den »Großen Preis der Volksbank Kleverland«

Besonders zufrieden war natürlich Henk Grift, dessen zweifacher Marathon-Champion My Winner (Roland Hülskath) den angestrebten Hattrick im Großen Preis der Volksbank Kleverland zwar verfehlte, der aber mit Zizou (Michael Nimczyk) trotzdem Einzug in den Winner Circle hielt. Der niederländische Derby-Zweite des Jahres 2009 hat einen langen Leidensweg hinter sich, und seine Besitzer rund um Wolvegas Vorstands-Mitglied Arend Fledderus bewiesen extrem viel Geduld, ihm immer wieder Zeit zur Rekonvaleszenz zu lassen. »Ganze 150 Euro hat Zizou bisher in diesem Jahr verdient, 190 waren es im Vorjahr, man kann sich vorstellen, wie glücklich wir sind, dass er endlich wieder ein Rennen gewinnen konnte«, sagte Fledderus nach dem Rennen.

Der Trainer indes hatte schon bei der Pressekonferenz angekündigt, dass My Winner dem gerade halb so alten Trainingsgefährten keine 50 Meter geben könne und dass der durchaus ein seriöser Sieganwärter sei, wenn er auf den Beinen bleibe. Michael Nimczyk setzte seine Vorgabe perfekt um, übernahm zeitig die Führung und setzte sich aus dem Schlussbogen heraus soweit ab, dass der im Vorjahr als Sieger wegen unreiner Gangart disqualifzierte Photo Phoenix (Tom Kooyman) nicht mehr an ihn heran kam. Aus einem Pulk kämpfender Konkurrenten schnappte sich Un Gamin Impulse (Rob de Vlieger) das dritte Geld vor Quatuor du Bouffey (Stefan Schoonhoven) und My Winner.

»Wir mussten auf der engen Bahn um zu viele Gegner herum, das war für mein Pferd heute nicht machbar«, kommentierte der mit Magnat Crown unplatzierte Lieven de Groote, strahlte aber nach der erstmals ausgetragenen Niederrhein-Meile über das ganze Gesicht, denn Sohn Christophe hatte mit Pacha de la Frette trotz Startplatz »10« schon im ersten Bogen das Kommando an sich gerissen und es sich mit dem gewinnreichsten der zehn Teilnehmer auch nicht mehr streitig machen lassen. Zwar machte der auf den A-Bahnen zuletzt kaum mehr überzeugende Warrior Boko (Stefan Schoonhoven) auf der langen Zielgeraden noch einigen Boden gut, aber eine Länge rettete der französische Wallach gegen den ein Jahr jüngeren Angreifer über die Linie. Gut zu gefallen vermochten auch Anky Kievitshof (Rob de Vlieger), Let the music play (Michael Nimczyk) und What a Feeling (Michael Schmid) auf den folgenden Plätzen, während der einstige spanische Derby-Sieger Nardon DF (Roland Hülskath) eine Prämie knapp verfehlte und auch die etwas überraschend favorisierte El Conchita ohne Prämie nach Hause fahren musste.

Rob de Vlieger zeigte sich im Interview sehr zufrieden
mit der Leistung von Alysia B im Finale des Niederrhein-
Cups
Rob de Vlieger hatte sein Erfolgserlebnis zuvor bereits im 5.000 Euro-Finale des Niederrhein-Cups gehabt. Weil sich Ronald de Beer, für den es – ebenso wie für Patrick van Ooijen – nicht wirklich »rund« lief an diesem Nachmittag, für die im Vorlauf ziemlich starke Bella Swagerman entschied, kam de Vlieger zu einer »Kistenfahrt« mit der 323:10-Außenseiterin Alysia B, mit der er unterwegs als drittes Pferd innen jeden Meter sparte, sich im Schlussbogen in die Position des favorisierten Sniper ST (Roland Hülskath) begab und mit einem energischen Finish die Partie gegen die lange führende Lady Winner (Tim Schwarma), die wie Sniper ST einen Vorlauf gewonnen hatte, durchsetzte. Zwischen die beiden schob sich der aus dem Nichts heran fliegende Alaska Joe (Thomas Panschow).

Der Sieg der ziemlich zuverlässigen, 2012 aber nur in einem Amateurfahren siegreichen Stute war zwar die größte, aber nicht die einzige Überraschung des Tages. So führte Cathrin Nimczyk im Ötte Dötsch-Memorial mit einer beherzten Fahrt Brazzo zum Kurs von 112:10 gegen Bellezza Toscana (Hiltje Tjalsma) und Jupiter Diamant (Dominik Holtermann) zum Erfolg. Letzterer sicherte sich mit gleicher Taktik und Besitzer Jan Lasterie am Regiepult die Wiederholung gegen Heide Princess (Julia Knoch) und Bellezza Toscana (Marko Klose), während Brazzo mit Besitzer Jörg Malmann einen harten Rennverlauf mit frühzeitiger Totalverweigerung quittierte.

OJ Barb holte sich den 1. Lauf des Niederrhein-Allrounders hoch überlegen mit Michelle Kokkes im Sattel

Ansonsten aber stand die Form überwiegend, wobei im Trabreiten der von Michelle Kokkes vorgetragene OJ Barb offensichtlich ein »Abschuss« war, der mit 19:10 am Toto honoriert wurde. Allerdings hätte sich der Italiener bzw. seine Reiterin nicht beschweren dürfen, wenn man sie in den Stall zurückgeschickt hätte, denn an mindestens zweien der insgesamt vier Fehlstarts in diesem Rennen trug Michelle Kokkes eine Mitschuld. Einmal in Gange gekommen, diktierte der Allison Hollow-Sohn das Geschehen nach Belieben, einzig Nepomuk (Susanne Koch) blieb ihm halbwegs auf den Fersen und wurde – eine Weile vor dem von Roesjha Dear (Linda Hamming) angeführten und aufgelösten Rest – Zweiter.

Admiral As (Roland Hülskath) verlor in der bereits tief stehenden Abendsonne seine Gegner

Der hier mit 50 Metern Zulage von Anfang an weit hinterher laufende Admiral As sicherte sich mit Roland Hülskath den 2. Lauf, bei dem alle Pferde von einer Marke starteten. Nach dem »Anschauungsunterricht« von Christophe de Groote fand auch der deutsche Champion aus der zweiten Reihe rasch eine Passage, erreichte schon die erste Gerade als Spitzenreiter und wurde im weiteren Verlauf gegen dem im Reiten fehlerhaften Nelson Falu (Jörg Hafer) und Nepomuk der überlegenste Sieger des Tages.

Einmal mehr sein Gefühl für Pferde jeglicher Gangart bewies im Gästefahren Danedream-Trainer Peter Schiergen, der Ex-Seriensieger Beissinger gegen Ann Account (Klaus Hölscher) und Young Yoda (Claudia Burger-Sassen) als 26:10-Favorit auf die Siegerstraße zurückführte. Der vom Hausherrn Uwe Zevens trainierte Hengst musste in der Wiederholung mit Platz drei zufrieden sein, denn der schon mit Bernd Eikenberg nicht schlecht gefallende Yoran Sammer zeigte sich mit Trainer Simon Woudstra noch besser aufgelegt und gewann leicht gegen Recordtime (Tom Kooyman), mit der »Latten-Siggi« Huber im Gästefahren nach einer Slalomfahrt in der Distanz das »Treppchen« als Fünfte knapp verfehlt hatte.

Das ohne Toto durchgeführte Tandem-Sulky-Rennen ging völlig erwartet an Roland Hülskath und Claudia Zevens, die mit Zonnestraal VB früh in Führung gingen und sich den Sieg nicht mehr abjagen ließen. Auch die neu ins Programm aufgenommene Show-Nummer »Stetson meets Zylinder« mit einem Dressur- und einem Westernpferd fand Anklang, so dass man die siebte Veranstaltung auf dem Heisterfeldshof als gelungen protokollieren darf. Uwe Zevens fand zum Ende der Veranstaltung seinen nach diversen kleineren Zwischenfällen kurz abhanden gekommenen Optimismus wieder, sprach zum Abschluss schon vom nächsten Jubiläumsrenntag und gab damit faktisch das Verspechen ab, diesen immer beliebter werdenden Renntag auch in den kommenden Jahren wieder durchzuführen.

[ zurück ]

Foto: © by Dirk Sandkühler

Noch 102 Tage
bis zum Renntag
am 20. September 2026

· Offizielle Bedburg-Zeit ·


Unser Rennjahr 2022 im Video:

Sponsoren und Partner